avrina1991

des besten Freundes Tod

des besten Freundes Tod

 

Da fließt mir die Träne den Wangen herab,

so wie ich auf dem Friedhof stehe,

es ziehen auf Nebelschleier um Mitternacht,

bedecken und umhüllen das tote Nest.

Ich kam um zu sterben, ihr Toten her,

empfängt ihr einen halben Lebenden?

Es treibt mich nichts, und keine Winde,

regen auf Erden meine Segel mehr.

 

Da lichtet sich der helle Mond im Nebel auf,

er bricht mit seinem Blick zu mir hervor,

O Jüngling! Sieh‘ mich an! Ich weiß was dir ist,

du bist nicht der Erste, der der Welt entfliehen will.

Ach verschwinde! Der Teufel soll dich holen!

Schwindelst du doch nur dem Gemüte Blumen,

was willst du helfen, dem der sich schon entschieden hat?

 

Da ward es toten still, nur ein Windchen der sich regen will,

mischt sich und wirbelt den Nebel auf,

und mir dünkte es, ich sehe so einen manchen Geist,

der sich aus dem Grabe in der Nebelung hervor zeigt.

Mein mitgebrachter Dolch glänzt im Mondesschein,

mein bester Freund! Du, der du zu mir in dieser Stunde hälst,

erlöse mich, will mein Wille, von meinem Leid.

 

Wie die Welt, mir mein Heim nicht sein will,

wie der Mensch, nicht meines Herzens Liebe erblickt,

und was da erblickt wird, schlägt mir die Wunden auf,

Tränen fließen dem Boden unter durch Trug und List.

Keine Liebe nährt mein Herz, zuweilen erhasche ich

nur ein kurzes Lächeln, einen Tropfen Wasser,

in dieser unendlichen, staubigen kalten Wüste,

auf der ich einem umherirrenden Wanderer gleiche.

 

Da erhob der junge Mann den Dolch in die Lüfte,

und stach mit dem Dolch sich in die weiche Brust.

Wie der Dolch den Busen durchbohrte, sank der Mann

in die Knie, und blieb so still und tot am Friedhof liegen.

Es entwich dem toten Körper all die Wärme, all das Leben,

und floh in die weite und breite Luft,

da wirbelte der Wind ein letztes Mal die kühle Nacht,

und im Nebleschleier schwand die Seele frei.

 

Ein Freund schreibt; Welche Wellen trieben dein Schiff

auf den felsigen Riff, dass du daran ganz dein Leben verlorst?

Ach mein Bester! Wie tut mir dein Abschied in der Seele weh,

was trieb dich zu so einem letzten Schritt? Was nur, was?

O mein Bester! Sahst du den nie die Blüten des Tages?

Schon bald, wenn die Morgenröte dir ins Haus scheint,

wie ward es dir nicht um‘s Herz so munter,

wie konntest du nicht die Früchte der Welt erblicken?

 

Ein Atem durch die Lunge, und die Ewigkeit ist im Augenblick,

eine Idee, Vorstellung von Glück, da schwillt schon der Busen,

das Blut quillt und nährt das Herz, als würde man von Ambrosia

einen Häppchen nehmen, und wie konntest du nicht wünschen,

bringt doch die Zeit die Liebe her, nur Geduld, einen Kuss

nach dem anderen. Du empfindest in jedem Blick, Wonne und Fülle,

ein jeder Kuss füllt das leere Herz und umsäuselt es mit Freude,

ach ich mag den Tag, ich mag das Leben, ich mag die Welt!

 

Du sahst nichts von all dem, eine jede Kleinigkeit brach dir das Genick,

verschlossest dich in dein kleines Kämmerlein, und weintest

bittere Tränen, wie ungerecht doch die Welt dir gegenüber sei.

Und nie ein Wort von dem sprachst du zu mir,

was dein Herz so sehr rührt und regt. Nie ein Wort

was dein Herz begehrt, es sich wünscht. Zwangst dich

Tag für Tag durch den Tag, und bitter, jedesmal bitter

schien dir die Morgenröte, und der Balsam war dir die Nacht.

 

Ach Freund! Wie wars dir dann so voll ums Herz, da sprangst

du wie ein Wilder vom Stuhl, und zürntest und wehrtest dich

gegen die üblen Mächte. Doch gleich danach fielst du in

den Kummer zurück, wie ein Schlafender und kein

Morgenrot konnte dich mehr wecken. Wie wollte ich

dir all die Qualen nehmen, als du mir sagtest.

Freund, auf meiner Brust liegt der Dolch, und die

üblen Mächte drücken die Spitze tief und tiefer hinein.

 

Doch blind war ich auch, wie konnte ich der Vernunft

nur Wahrheit zollen, da ich deine Entscheidung nicht sah.

Sondern der Vernunft folgte, ach, Morgen sieht die Welt

anders, viel fröhlicher und all die Nebelschleier die das

Gemüt bedecken lösen sich im nächsten Aufwachen auf.

Doch ich sah nicht dein trübes Auge, sah nicht dein Ende.

Es fallen meinen Wangen schwere Tränen, ein halbes Herz

ist mir gestohlen, gestohlen mein Bester durch deinen Abschied.

(c) Babac

Von Renato Babac (http://www.e-stories.de/gedichte-lesen.phtml?83413)



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