avrina1991

Das Blatt Papier

Das Blatt Papier



Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schüler
in der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben
den Namen zu lassen.

Dann sagte sie zu den Schülern, sie sollten überlegen, was das Netteste
ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollte
sie neben die Namen schreiben.

Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war. Bevor sie den
Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter der Lehrerin. Am Wochenende
schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben
die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den einzelnen
aufgeschrieben hatten.

Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste.
Schon nach kurzer Zeit lächelten alle.
"Wirklich?" hörte man flüstern. "Ich wusste gar nicht, dass ich irgend
jemandem was bedeute!" und "Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen"
waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die
Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren
Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren
Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.
Einige Jahre später war einer der Schüler in Vietnam gefallen und die
Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Sie hatte noch nie einen
Soldaten in einem Sarg gesehen - er sah so stolz aus, so erwachsen.

Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden.
Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt hatte, ging am Sarg
vorbei und erteilte ihm die letzte Ehre. Die Lehrerin ging als letzte und
betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Soldaten, die den
Sarg trugen zu ihr: "Waren Sie Marks Mathe-Lehrerin?" Sie nickte: "Ja".
Dann sagte er: "Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen." Nach dem Begräbnis
waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden versammelt. Marks
Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der
Lehrerin zu sprechen. "Wir wollen Ihnen etwas zeigen", sagte der Vater und
zog eine Geldbörse aus seiner Tasche. Das wurde gefunden, als Mark gefallen
ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen."

Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich
zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war.
Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf
denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark
geschrieben hatten. "Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das
gemacht haben" sagte Marks Mutter. "Wie Sie sehen können, hat Mark das
sehr geschätzt."

Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin.

Charlie lächelte ein bisschen und sagte, "Ich habe meine Liste auch noch.
Sie ist in der obersten Lade in meinem Schreibtisch". Chucks Frau sagte,
"Chuck bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben." "Ich habe
meine auch noch" sagte Marilyn. "Sie ist in meinem Tagebuch" Dann griff
Vicki, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre
abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei
mir", sagte Vicki und meinte dann ohne mit der Wimper zu
zucken: "Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt."

Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte

Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen
würden. Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass
jedes Leben eines Tages endet. Und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag
sein wird.

Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich sorgt,
sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind. Sag es ihnen, bevor es
zu spät ist!!!

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